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21.11.2017

Informatiker der Hochschule entwickeln Software für Telemedizin-Projekt

Mit Bildern aus der Hausarztpraxis können Dermatologen künftig Hauterkrankungen aus der Ferne beurteilen. Dreijähriges Telemedizin-Projekt in Zusammenarbeit mit Hausärzten aus Baden-Württemberg gestartet.

Mit einer speziellen Kamera werden beim Hautarzt Fotos der Haut erstellt. Die so erzeugten Bilder werden dann zu einem Dermatologen übertragen, der eine erste Diagnose abgibt und eine Behandlung vorschlägt.

Von: Alfred Siewe-Reinke

Eingeschränkte medizinische Versorgung, weite Wege zu wenigen Fachärzten und lange Wartezeiten – So sieht die medizinische Versorgung in vielen ländlichen Gegenden aus. In einem dreijährigen Projekt in Baden-Württemberg soll nun geklärt werden, ob durch Telediagnose die medizinische Versorgung bei Hauterkrankungen auf dem Land verbessert werden kann. Im Projekt nehmen Hautärzte Bilder von Hautveränderungen auf und übermitteln sie an Dermatologen – natürlich unter Einhaltung des Datenschutzes – zur Analyse und Bewertung aus der Ferne. Das Ziel des Projekts ist, wissenschaftlich begleitet, eine effiziente und qualitativ hochwertige telemedizinische Primärversorgung zu etablieren.

Im Telederm-Projekt arbeiten das Universitätsklinikum Tübingen, die Hochschule Reutlingen und die AOK Baden-Württemberg zusammen.  In der dreijährigen Projektlaufzeit nehmen zunächst 50 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg teil. Sie erhalten eine entsprechende technische Ausstattung, um die Untersuchungsbilder der Haut an die Universitäts-Hautklinik Tübingen zu übermitteln. Die übermittelten Bilder werden von Dermatologen gesichtet und bewertet. Die Diagnose erfolgt zusammen mit einer Empfehlung zur Behandlung und geht über das System zurück an den Hausarzt. „Die meisten aller Hautprobleme, nämlich 90 Prozent, können so vor Ort beim Hausarzt behandelt werden“, so Projektleiterin Prof. Dr. Stefanie Joos, ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen. „Bei den restlichen 10 Prozent muss der Patient dann zum Facharzt.“

Die Übermittlungs-Software für die medizinischen Daten stammt aus Reutlingen und wird von einem der Fakultät Informatik um Prof. Dr. Christian Thies entwickelt. „Die Technik, mit den entsprechenden Kameras und die Software zur Erstellung und Übermittlung der Bilder gibt es schon lange“, so Thies. Probleme bereiteten den Informatikern die unterschiedlichen Schnittstellen und der Datenschutz. „In Deutschland gibt es keine genormte Software in medizinischen Praxen. Jede Software ist anders programmiert und oft nicht miteinander kompatibel.“ Die Kompatibilität sei vergleichbar wie die von I-Phone mit Android-Smartphones. „Bei der Datenerfassung geht es darum, nur die notwendigen Daten zu übermitteln und diese vor einem fremden Zugriff zu sichern.“

Dass die Arbeit sich lohnt, zeigt ein Blick in die Niederlande. Dort ist ein vergleichbares System der Firma KSYOS TeleMedisch Centrum schon erfolgreich im Einsatz. Die niederländische Firma stellt dem Telederm-Projekt ihre Erfahrung und ihre Serviceplattform zur Verfügung.  In den Niederlanden konnte die Zahl der Überweisungen an Fachärzte mit dem System um 74 Prozent reduziert werden. Die Wartezeit betrugen vorher im Regelfall zwei Stunden und die Kosten konnten 40 Prozent gesenkt werden. Entsprechend positiv ist auch die Einschätzung der AOK Baden-Württemberg. Bei der Auftaktveranstaltung des Projekts am Mittwoch versicherte Jürgen Graf, Fachbereichsleiter Integriertes Leistungsmanagement der AOK Baden-Württemberg, den anwesenden Ärzten, dass das Projekt angesichts dieser Zahlen weitergeführt werden soll.

 

Links

Gemeinsamer Bundesausschuss (Förderung des Projekts)