Hochschule Reutlingen

Software Engineering, Entrepreneurship & Innovation

Die Forschungsgruppe Software Engineering, Entrepreneurship und Innovation beschäftigt sich mit innovativen Entwicklungsmethoden für software-basierte Produkte und Dienstleistungen, die einen hohen Kundennutzen generieren. Weitere Schwerpunkte sind die Analyse, Gestaltung und Erprobung des "Entrepreneurial Process" sowie die Identifikation und Validation technologieorientierter/digitaler Innovationsideen und Geschäftsmodelle (u.a. Continuous Experimentation, Risikopriorisierungsverfahren). 

 

Forschungsschwerpunkte

  • Entrepreneurship & Innovation 

Die Entwicklung software-basierter Produkte findet heute in der Regel in dynamischen Umfeldern statt, in denen sich Technologien und Märkte rasant verändern. Anforderungen an Software-Produkte lassen sich meist nicht im Voraus festlegen. Man kann auch nicht den Kunden fragen, welche Features er gerne hätte. In solchen Situationen sind klassische Ansätze der Software-Entwicklung mit vorgelagerter Anforderungsdefinition nicht geeignet. Wie kommt man aber dennoch zu Produkten, die Kunden wollen und lieben? Hierfür gibt es neuartige Entwicklungsansätze, die agile Software-Entwicklungsmethoden wie Scrum mit Prozessen zur Ideenfindung und Validation kritischer Produktannahmen verzahnen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Produktmanager, der für das sogenannte "Product Backlog" verantwortlich ist. 

Ziel der Forschung ist es, neuartige Techniken und Anwendungsmöglichkeiten des Produktmanagements zu entwickeln, zu analysieren und zu erproben. Dies umfasst die Beschreibung einer Produktvision, die Entwicklung einer Produktstrategie, die Identifikation und Priorisierung kritischer Produktannahmen, das datenbasierte Testen kritischer Annahmen mit Hilfe von Experimenten und die Weiterentwicklung der Produktstrategie basierend auf Ergebnissen der Experimente. Weitere Forschungsthemen sind Startup-Methoden, Corporate Startups, Hypothesis-driven Development, Scaling Lean, Customer Development, LeanUX, Business Model Validation, sowie Evidence-based Service Systems Engineering. 

Daten sind das Gold des Informationszeitalters. Aber wie hebt man diesen Schatz und nutzt ihn für die effiziente Entwicklung erfolgreicher Software? Unter „ Analytics“ versteht man im Kontext der Software-Entwicklung die gezielte Erfassung, Analyse, Interpretation und Nutzung von Daten mit dem Ziel, Entwicklung, Wartung und Betrieb von Software und Software-Systemen zu verbessern sowie ihren Nutzwert und Markterfolg zu erhöhen. 

Ziel der Forschung ist es, grundlegende Messverfahren und Analytics-Techniken zu entwickeln, zu analysieren und zu erproben. Dies umfasst zielorientierter Mess- und Analyseverfahren und die Entwicklung und Anwendung von Qualitäts-, Kosten- und Nutzenmodellen. Weitere Forschungsthemen sind Lean Analytics, Traction Modeling, Value Modeling, Startup Metrics und Growth Hacking. 

 

  • Agile Engineering (Integration agiler und traditioneller Modelle) 

In den letzten Jahren haben in der professionellen Software-Entwicklung immer mehr agile Elemente Einzug gehalten. Methoden und Vorgehensmodelle wie Scrum, Continuous Integration, Continuous Deployment, Kanban und Customer Involvement werden umfassend eingesetzt. Vorteile dieser Methoden und Vorgehensmodelle sind insbesondere schnellere Entwicklungszyklen, schnellerer Kundenfeedback und somit rapide beschleunigte Lernzyklen. 

Auf der anderen Seite gibt es weiterhin erfolgreich praktizierte traditionelle Software- Entwicklungsprozesse, die sich am V-Modell orientieren. In regulierten Domänen wie der Automobilindustrie, dem Maschinenbau, der Medizintechnik oder der Finanzwirtschaft werden langwierige und umfassende Absicherungen benötigt. Hier haben sich traditionelle Prozesse bewährt. In der Automobilindustrie gibt es beispielsweise in der Antriebsstrangentwicklung wohldefinierte V-Modell-basierte Entwicklungsprozesse. Agile Entwicklungsprozesse erscheinen aber geeigneter, wenn es darum geht, neue Funktionen, die beispielsweise auf einem Elektroantrieb basieren, schnell zu erstellen und zumindest prototypisch testen zu können. Die Kombination traditioneller Prozesse und agiler Praktiken verspricht viele Vorteile. 

Ziel der Forschung ist es, die Eignung agiler Methoden in regulierten Domänen zu analysieren und zu erproben. Hierbei soll insbesondere das Zusammenspiel traditioneller und agiler Ansätze betrachtet und erprobt werden. Weitere Forschungsthemen sind agile Skalierung, agile Business-Transformation, Organizational Change Management und agile Produktlinien. 

    Ausgewählte Fachbücher: 

    • Jürgen Münch, Ove Armbrust, Martin Soto, Martin Kowalczyk, “Software Process Definition and Management“, Springer Verlag, 2012. 
    • Victor R. Basili, Adam Trendowitz, Martin Kowalczyk, Carolyn Seaman, Jürgen Münch, Dieter Rombach, “Aligning Organizations Through Measurement – The GQM+Strategies Approach”, Springer Verlag, 2014. 
    • Jürgen Münch, Klaus Schmid (Eds.), “Perspectives on the Future of Software Engineering“, Springer Verlag, 2013. 
    • Marco Kuhrmann, Jürgen Münch, Ita Richardson, Andreas Rausch, Jason He Zhang (Eds.). “Managing Software Process Evolution – Traditional, Agile, and Beyond. How to Handle Process Change?”, Springer Verlag, 2016 
    • Eine Auflistung aller aktuellen Publikationen der Forschungsgruppe findet sich in der Hochschulbibliographie. Die Publikationen von Prof. Dr. Jürgen München auf Google Scholar

    Zu den Lehrangeboten der Forschungsgruppe zählen agiles Produktmanagement, Software/Lean Analytics, Startup-Methoden und Software-Engineering-Kernthemen wie Software-Architekturen oder Qualitätsmodellierung. Studenten sollen mit den Vorlesungen in die Lage versetzt werden, erfolgreiche software-basierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dies beinhaltet neben Themen der Software-Entwicklung auch die Verzahnung von softwaretechnischen und wirtschaftlichen Aspekten, um valide, skalierbare und nachhaltige digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. 

    • Software-based Real-time Value Delivery, Need for Speed Program, Digile (2015-2017) 

    • Integration von agilen Softwareentwicklungsprozessen in klassische Prozesse, Daimler (2015) 

    • Cloud Software Factory, Tekes (2011-2015) 

    • Cloud Software Program, TiViT (2011-2015) 

    • Dynamische Identifikation, Extraktion und Wiederverwendung von Komponenten in der verteilten Software-Entwicklung, BMBF (2010-2012) 

    • Optimierte Konfiguration normkonformer domänenspezifischer Prozesse für KMU, BMBF (2010-2011) 

    • Software-Qualität: Flexible Modellierung und integriertes Controlling, BMBF (2008-2011) 

    Die Forschungsgruppe kooperiert im Bereich der Forschung mit einer Vielzahl von Forschungseinrichtungen und Netzwerken. In den letzten Jahren war dabei die Zusammenarbeit mit folgenden Organisationen und Netzwerken von besonderer Bedeutung: 

     

    • Aalto University, Finnland 

    • DASMA, Deutschland 

    • Fraunhofer IESE, Deutschland 

    • Fraunhofer CESE, Maryland, USA 

    • IPA-SEC, Japan 

    • ISERN, Internationales Netzwerk 

    • Mitsubishi Research, Japan 

    • Poznan University of Technology, Polen 

    • University of Bari, Italy 

    • University of Bozen-Bolzano, Italy 

    • University of Helsinki, Finnland 

    • University of Maryland at College Park, USA 

    • University of Maryland Baltimore County, USA 

    • University of Oulu, Finnland 

    • University of Southern Denmark (SDU), Dänemark 

    • University of Tartu, Estland 

    • University Rome Tor Vergata, Italy 

    • SER University of Novi Sad, Serbien 

    Die Forschungsgruppe verfügt über eine Vielzahl an Kooperationspartnern in der Unternehmenspraxis. In den letzten zwei Jahren war dabei die Zusammenarbeit mit folgenden Unternehmen von besonderer Bedeutung: 

    • Bittium 

    • Elektrobit 

    • Daimler AG 

    • Ericsson 

    • Facebook 

    • F-Secure 

    • MySecondWay 

    • Quentinel 

    • Steeri 

    • Tieto 

    • Solita 

    • 2014 Best Paper Award (EASE) 

    • 2011 Distinguished Professor Award (FiDiPro, 1,9 Mio) 

    • 2010 Technik-Innovationspreis (Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz, Sponsor) 

    • 2008 Best Paper Award (ISSRE) 

    • 2007 Best Paper Award (QUATIC) 

    • 2007 Manfred Paul Award for Excellence in Software Theory and Practice (IFIP TC2) 

    • 2007 Best Paper Award (CEE-SET) 

    • 2004 Best Paper Award (QUATIC) 

    • 2002 Award for Thesis Excellence (Fraunhofer IESE) 

    Mitglieder der Forschungsgruppe

    • Dr. Stefan Trieflinger 

    • Matthias Gutbrod 

    • Dario Wahl