Hochschule Reutlingen
13.01.2026

Studierende blicken hinter die Kulissen der Raumfahrt bei OHB Systems AG

Kurz vor Weihnachten öffnete die OHB Systems AG ihre Türen für 13 Studierende des Studiengangs Digital Business und bot ihnen exklusive Einblicke in die Welt der Raumfahrttechnologie – von der Unternehmensgeschichte bis zur Fertigung hochpräziser Satellitenkomponenten im Reinraum.

Im Foyer der OHB Systems AG: Rechts oben Eckhart Goehler, Alexandra Kübler (OHB Systems AG) und Prof. Dr. Marco Kuhrmann (Hermann Hollerith Zentrum). Vor ihnen die Studierenden des Studiengangs Digital Business aus dem dritten und fünften Semester

Die OHB Systems AG zählt heute zu den führenden Raumfahrtakteuren Europas. Gegründet 1958 von fünf Ingenieuren in einer Garage, ist OHB inzwischen ein global agierender Konzern mit über 3.000 Mitarbeitenden an 15 Standorten weltweit. Am Standort auf dem Air Tech Campus Oberpfaffenhofen, arbeiten Expertinnen und Experten an Lösungen, die die Zukunft im All gestalten.  

Das Unternehmen vereint die Stärken eines Systemhauses mit umfassender Engineering-Kompetenz und ist in drei Geschäftsbereichen aktiv. Der Bereich “Space Systems” für die Entwicklung und den Bau von Satelliten und Raumfahrtsystemen, “Aerospace” für Technologien in Luft- und Raumfahrt sowie “Digital” für digitale Anwendungen und Services, die die Effizienz und Vernetzung in der Raumfahrt vorantreiben. Das Produktportfolio reicht von Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten über Navigationssysteme bis hin zu Komponenten für wissenschaftliche Missionen. 

Die Studierenden erfuhren, dass die Softwareentwicklung in der Raumfahrt strengsten Anforderungen unterliegt. Zuverlässigkeit, Fehlertoleranz und eine hohe Vertrauenswürdigkeit sind dabei unverzichtbar. Um diese Software-Standards zu erfüllen, wird häufig ein strukturiertes, Wasserfall-artiges Vorgehensmodell angewendet, bei dem jede Phase wie Anforderungsanalyse, Design, Implementierung, Test und Betrieb vollständig abgeschlossen sein muss, bevor die nächste beginnt. Dieses strukturierte Vorgehen gewährleistet maximale Sicherheit und Nachvollziehbarkeit, erfordert jedoch einen hohen zeitlichen Aufwand. Zwischen 50 - 80 % der Projektzeit entfallen auf die Qualitätssicherung, Reviews und umfangreiche Tests, um höchste Zuverlässigkeitsstandards zu gewährleisten. Daher erstrecken sich Raumfahrtprojekte üblicherweise über mehrere Jahre. Eine notwendige Konsequenz, da Fehler im Betrieb nicht nur enorme Kosten verursachen, sondern auch die Mission gefährden würden. 

Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs war die Führung durch den Reinraum, in dem optische Geräte für Satelliten unter streng kontrollierten Bedingungen gefertigt werden. Hier wird deutlich, wie Präzision und Reinheit die Grundlage für den Erfolg komplexer Raumfahrtprojekte bilden.  

Die Exkursion verdeutlichte den Studierenden, wie entscheidend strukturiertes Projektmanagement und bewährte Vorgehensmodelle für die Raumfahrt sind. Neben den komplexen Softwareentwicklungsprozessen, die höchste Zuverlässigkeit und Qualität erfordern, erhielten sie auch Einblicke in die präzise Fertigung. So entstand ein umfassendes Bild davon, wie Planung, Organisation und technologische Exzellenz den Erfolg von Missionen im All sichern.