Herman Hollerith Zentrum

Herman Hollerith, der Erfinder des Lochkartensystems und Namensgeber des Herman Hollerith Zentrums

Herman Hollerith war das Kind deutscher Einwanderer, die aus Großfischlingen bei Landau stammten. Er wurde am 29. Februar 1860 in Buffalo geboren und starb 1929 in Washington, DC, USA.

Nach seinem Bergbaustudium nahm er 1879 eine Tätigkeit in der amerikanischen Zensusbehörde auf, wo er sich mit statistischen Problemen bei der Volkszählung befasste. Im Rahmen dieser Beschäftigung begegnete Hollerith erstmals die Frage, ob statistische Erhebungen nicht durch maschinelle Erfassung und Auswertung erleichtert werden könnten. In den folgenden Jahren entwickelte er eine Lochkartenmaschine. 1889 wurde sie auf der Pariser Weltausstellung präsentiert und ausgezeichnet, ebenso wie Hollerith selbst, der zahlreiche Ehrungen und Preise bekam, darunter einen Ehrendoktor des Columbia College und die Aufnahme in die britische Royal Statistical Society 1891.

Herman Hollerith schuf mit seiner Erfindung eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung mit Computern. Die Idee, Daten durch gestempelte Lochkarten zu erfassen, kam Hollerith angeblich während einer Bahnfahrt, als er wahrnahm, dass die Schaffner mit ihren Lochzangen bestimmte Muster in die Fahrscheine lochten, mit denen sie persönliche Merkmale der Fahrgäste beschrieben, um eine Weitergabe der Fahrkarte zu verhindern.

Erstmals im großen Stil wurde seine Erfindung bei der US-Volkszählung 1890 genutzt. Es trug zu einer enormen Beschleunigung der Auszählung bei. Die Auswertung der Daten gelang in nur zwei Jahren. Zuvor hatte die Auszählung sieben Jahre gedauert. Das System von Hollerith wurde ein weltweiter Erfolg und in den späteren Jahren weltweit für Volkszählungen und andere statistische Erhebungen und Auswertungen genutzt.

1911 verkaufte Hollerith sein Unternehmen, die Tabulating Maschine Company, an das Vorläuferunternehmen der International Business Machines Corporation (IBM).  Der Name Hollerith wurde aber auch nach seinem Tod, 1929, weiter genutzt, etwa durch die Deutsche Hollerith Maschinen GmbH (Dehomag), einer IBM Tochter. Die Dehomag erfasste zum Beispiel die Bevölkerungsdaten für die Nationalsozialisten im dritten Reich mit denen sie die lückenlose Erfassung der jüdischen Bevölkerung erreichte. Herman Hollerith selbst war zu Lebzeiten ein Mann der stolz auf die deutsche Herkunft seiner Familie war. Antisemitische, ras­sistische, oder chauvinistische Äußerungen von ihm sind nicht bekannt.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg waren Lochkarten ein wichtiges Speichermedium. Erst ab Mitte der 1960er Jahre verbreiteten sich in den Rechenzentren Magnetbänder zum Speichern und Sortieren von Daten. Mitte der 1970er Jahre war die Lochkarte weitgehend außer Gebrauch, wurde aber noch immer vereinzelt genutzt. Lochkarten im Hollerith-Format fanden sogar noch im 21. Jahrhundert in US-Wahlautomaten Verwendung. Allerdings geriet deren – für heutige Begriffe – mangelnde Zuverlässigkeit bei den Präsidentschaftswahlen 2000 stark in die Kritik.